Methoden der strategischen Wettbewerbsanalyse: (1) Industrieanalyse

Bei der Industrieanalyse werden gesamte Branchen oder (Industrie-)Sektoren untersucht und die wichtigsten Firmen der Branche bzw. des Sektors in einer Art Marktportfolio dargestellt.

Im Hinblick auf die zu analysierenden Firmen können folgende Fälle unterschieden werden:

  • Marktforscher und Industrieanalysten untersuchen normalerweise die größten (nach Umsatz, Marktanteil usw.) oder bedeutsamsten (z.B. bezüglich Wachstum, Markenstärke usw.) Unternehmen oder Branchenvertreter, meist aus globaler oder einer bestimmten regionalen Sicht
  • Firmenanalysten betrachten in der Regel nur die für sie wichtigsten (aktuellen oder zukünftigen) Wettbewerber oder Konkurrenzunternehmen.

Die nachfolgende Präsentation zeigt das Grundprinzip und Beispiele für Industrieanalysen.

Industrieanalyse – Tools für das Strategische Management (Download)

Die zu analysierenden Kriterien und Aspekte werden zumeist drei Kategorien zugeordnet, um eine Portfoliodarstellung zu ermöglichen. Die Kategorien können dann in der X- und Y-Achse sowie als Kreisgröße abgebildet werden. Um diese Reduzierung auf drei Kategorien zu erreichen, empfiehlt sich eine sinnvolle Aggregation von Einzelkriterien.

Hinter der Kategorie “Vollständigkeit des Portfolios”, die sich besonders für Produkthersteller eignet, um mehrere Analysekriterien zu aggregieren, verbergen sich im Detail Punkte wie etwa

  • Abdeckung aller relevanten Marktsegmente (durch das Produktportfolio)
  • Abdeckung aller Performance- (und / oder Größen-)klassen  (durch das Produktportfolio)
  • Adaptierbarkeit der Produkte
  • Eignung der Produkte für unterschiedliche Vertriebskanäle
  • Aktualität des Portfolios (usw.)

Die zweite Kategorie “Wettbewerbsstärke” eignet sich prinzipiell für alle Arten von Firmen und ist sehr aussagekräftig, da sie sich aus Aspekten zusammensetzt, die Hinweise auf die Wettbewerbsstrategie der Konkurrenten geben, zum Beispiel:

  • Relative Marktposition / relativer Marktanteil
  • Relative Kostenposition / Gewinnspannen
  • Kundenloyalität
  • Distributionsstärke
  • Qualifikation der Mitarbeiter und Führungskräfte
  • Innovationskraft (usw.)

Als dritte Kategorie wird normalerweise der Umsatz (oder Marktanteil) gewählt, für dessen Darstellung sich symbolisch die Kreisgröße eignet. Durch die Bildung von Kreissektoren lässt sich als Zusatzinformation sogar die Umsatzaufteilung auf verschiedene Marktsegmente angeben, was allerdings bei einer größeren Zahl untersuchter Firmen zu etwas unübersichtlichen Portfoliobildern führt.

Die Industrieanalyse liefert Rückschlüsse auf die Marktchancen und damit auf die zu verfolgende eigene Wettbewerbsstrategie, und zwar

  1. aus der Gesamtstruktur des Marktportfolios, also aus Anzahl, Verteilung und Größe der abgebildeten Firmen (z.B. dominante Wettbewerber, fragmentierter Markt, etc.) und
  2. aus der Position der eigene Firma relativ zu den Konkurrenten in Bezug auf Wettbewerbsstärke, Größe und der weiteren definierten Analysekriterien.

-- Download Methoden der strategischen Wettbewerbsanalyse: (1) Industrieanalyse as PDF --


Winfried Kempfle

About Winfried Kempfle

Winfried Kempfle arbeitete 20 Jahre als Berater im Inhouse-Management Consulting und in verschiedenen Strategie- und Business Develoment-Bereichen der Siemens AG. Er ist zertifizierter Web Business Manager und besitzt vielfältige Erfahrungen in Strategieplanung und Strategieprojekten, im Marketing und Projektmanagement sowie in Markt- und Wettbewerbsanalyse.
This entry was posted in Wettbewerbsanalyse and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort