Methoden der Strategieanalyse: (6) Risikoanalyse

Bei planerischen Aktivitäten jedweder Art verbleibt am Ende stets eine gewisse Unsicherheit darüber, ob die Pläne wie angedacht umgesetzt und ob die gewünschten Ziele erreicht werden können. Dies gilt für Planungen von Projekten im Rahmen des Projektmanagements genauso wie für die Geschäftsplanung von Unternehmen. Denn weil Planungen in die Zukunft gerichtet sind und sowohl Projekte als auch Geschäftsperioden von Firmen jeweils einzigartig sind, werden im Vorhinein nie alle Einflüsse auf den Ablauf oder auf das Zustandekommen der Resultate zu 100 Prozent bekannt sein.

Allerdings bietet das Instrument der Risikoanalyse ein bewährtes Mittel, um mögliche Risiken und deren Auswirkungen auf den geplanten Projekt- oder Geschäftsablauf systematisch zu ermitteln sowie geeignete Gegenmaßnahmen zu definieren.

Die nachfolgende Präsentation zeigt die Anwendung des Konzepts der Risikoanalyse, sie enthält Beispiele für Risiken und deren Bewertung sowie Templates für die Bearbeitung im Rahmen der Strategieanalyse.

Risikoanalyse – Tools für das Strategische Management (Download)

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Bei einer Risikoanalyse werden immer folgende Schritte durchlaufen:

1. Schritt: Ermittlung potentieller Risiken
Aus vielen Erfahrungen sind eine Reihe generell gültiger Risikoklassen mitsamt denkbarer Einzelrisiken bekannt, die man wie folgt unterscheiden kann:

  • externe Risiken, die nicht unmittelbar beeinflusst werden können; dazu zählen z.B. Markt-, Finanz- oder gesetzliche Risiken
  • interne Risiken, bei denen die Möglichkeit der Beeinflussung besteht, z.B. Management-, Produktions- oder Organisationsrisiken

Daraus lässt sich eine strukturierte Liste erstellen, die als erste Checkliste in den meisten Fällen verwendet werden kann, um Projekt- oder geschäftliche Risiken zu bestimmen (siehe Beispiele in der Präsentation). Neben solchen allgemein gültigen Risiken sind eventuelle weitere Gefährdungen oder störende Einflüsse zu ermitteln, die speziell in Bezug auf die konkrete Planungssituation eintreten können. Für diesen Zweck sind vor allem erfahrene Experten aus bestimmten Fachgebieten heranzuziehen, gegebenenfalls sollten Pläne auch von externen Fachleuten auf mögliche Risiken hin geprüft und untersucht werden.

2. Schritt: Bewertung von Risiken
Für alle ermittelten relevanten Einzelrisiken sind nun folgende wichtige Werte zu bestimmen:

  • Auswirkungen auf Ergebnisse; auch wenn hier oft nur qualitative oder nicht-monetäre Aussagen möglich sind (etwa über Zeitverzögerungen), sollten die Auswirkungen letztlich immer in einer Geldgröße als einheitlichem Maßstab ausgedrückt werden, die entweder zusätzliche Kosten oder geringere Erträge bzw. Gewinne darstellen.
  • Eintrittswahrscheinlichkeit in %; diese kann nur durch Experten, eventuell in einer moderierten Teamarbeit, und unter Nutzung von Erfahrungswerten bestimmt werden
  • Ermittlung des Risiko-Erwartungswertes; dies geschieht durch einfache Multiplikation von geldwertem Nachteil und Eintrittswahrscheinlichkeit.

Durch Addition aller Risiko-Erwartungswerte ergibt sich ein Summenbetrag, der als erwartetes Gesamtrisiko interpretiert werden kann.

3. Schritt: Festlegung von Präventiv- oder Gegenmaßnahmen
Die Risikoanalyse hat letztlich das Ziel, präventiv Maßnahmen zu definieren, um das Eintreten der Risiken zu vermeiden oder deren Auswirkungen möglichst gering zu halten. Solche Maßnahmen können z.B. sein:

  • Abschluss von Versicherungen, vor allem bei externen Risiken, etwa gegen Zahlungsausfall oder Wechselkursänderungen
  • Bereitstellung einer sog. Second Source, um etwa Lieferausfällen oder -verzögerungen zu begegnen
  • Einplanung zusätzlicher Ressourcen oder Kapazitäten
  • Vorsehen von Zeitpuffern
  • Anordnung von Mehrarbeit oder Überstunden, Ausloben von Prämien

Wie man sieht, sind jedoch mit diesen Maßnahmen in der Regel auch immer (Zusatz-)Kosten verbunden. Deshalb muss man zumeist in jedem einzelnen Fall sorgfältig abwägen, ob diese Kosten wirtschaftlich in einem vertretbaren Verhältnis zu den möglichen Nachteilen bei Eintreten von Risiken stehen.

Im Hinblick auf zu ergreifende Präventiv- oder Gegenmaßnahmen empfiehlt es sich daher, die Ergebnisse der Risikoanalyse grafisch aufzubereiten, etwa durch Abbildung eines Risikoportfolios oder auch nur durch ein einfaches Ranking der Risiken in der Reihenfolge ihrer Erwartungswerte. Auf diese Weise lassen sich die Risiken identifizieren, bei denen solche Maßnahmen am ehesten erforderlich sind oder die größte Wirkung zeigen.


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Winfried Kempfle

About Winfried Kempfle

Winfried Kempfle arbeitete 20 Jahre als Berater im Inhouse-Management Consulting und in verschiedenen Strategie- und Business Develoment-Bereichen der Siemens AG. Er ist zertifizierter Web Business Manager und besitzt vielfältige Erfahrungen in Strategieplanung und Strategieprojekten, im Marketing und Projektmanagement sowie in Markt- und Wettbewerbsanalyse.
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